Die Rückkehr der Laubfrösche

Dieses Thema im Forum "Medienspiegel" wurde erstellt von Ernst-Otto Von, 23 Juni 2016.

  1. Die Rückkehr der Laubfrösche

    Meine erste Begegnung mit unserem einheimischen Laubfrosch Hyla arborea hatte ich Ende der 80 Jahre des letzten Jahrhunderts auf dem Betriebsgelände der Firma Transfish bei München.

    [​IMG]
    Den Tag verschlafen Laubfrösche in gewässernahen Hecken.

    Da ich damals aber selbst schon fast 40 Jahre alt war, hatten sich die kleinen Grünen bisher wunderbar versteckt, bislang kannte ich die Tierchen nur aus Terrarien. Ich weiß es noch wie heute. Arthur Werner und ich haben damals L- Welse und Tanganjikasee- Buntbarsche nach Asien geschickt. Und die Arbeit ging immer bis spät in die Nacht und am nächsten Morgen wieder früh raus. Da hab ich im Sommer einfach in meinem VW Bully auf dem Betriebshof in Planegg geschlafen. Für die paar Stunden lohnte ein Hotelzimmer wirklich nicht. Und da hörte ich sie, die Laubfrösche. Kaum wurde es dunkel, erscholl ein zigfaches äpp äpp äpp., und ich ließ beim Schlafen die Tür offen, um dieses famose Konzert ungedämpft genießen zu können. Die Laubfroschpopulation bestand aus 30-40 Tieren, die in der Begrenzungshecke auf der Ostseite des Industriegrundstücks lebten. Tagsüber waren sie leicht auszumachen, schlafend in der prallen Sonne hoch oben in der Laubhecke. Aber Wasser gab es eigentlich keines, lediglich ein paar Plastikschüsseln mit ein paar Litern Wasser und überall entdeckte ich Laichklumpen. Ich fand diese Konzerte in den lauen Sommernächten immer klasse. Man fühlte sich wie in den Tropen und das mitten in der Stadt.

    [​IMG]
    Als Laichhilfen eingebrachte Zweige werden gerne benutzt.

    Seit über 20 Jahren wohne ich nun in Oberbayern und hier gibt es Laubfrösche aller Orten. Unser Sohn fing die ersten, da war er fünf Jahre alt. Ich sah sie erst mit 40…

    Aber im vorletzten Frühsommer tauchten sie in unserem Garten auf. Plötzlich war einer da und rief nach einem Weibchen. Und nach drei Nächten wurde er erhört. Wir sahen im Mondlicht zwei Bewegungen und hörten es zweimal platschen, so kurz hintereinander und es war Ruhe. Am nächsten Morgen fanden wir sie, kleine Laichklumpen so aus 20 bis 30 Stück bestehend. Ordentlich an die Fangschnur des Surfbrettes geklebt. Diese Schnur war gewissermaßen die einzige Vegetation in unserem alten Swimmingpool. Denn dieses Gewässer hatte sich unser grüner Zwerg als Laichgewässer erkoren. Nicht die diversen Kleingewässer aus vergrabenen Maurerkübeln oder den kleinen Plastikteich, der mal bei Hochwasser in einem Bach an uns vorbeitrieb und als herrenloses Gut in den VW Bully verladen wurde. Auch nicht der Folienteich, der so schön liegt und wunderbar bepflanzt ist mit Sumpfdotterblumen und Hornkraut und Krebsscheren Stratiotes aloides. Also etwa so ein Gewässer, wie laut Literatur ein gescheites Laichgewässer für unseren Laubfrosch auszusehen hat. Nein, unser kahler Pool, ohne Pflanzen und Flachwasserzonen, sondern von trocken auf nass 1,70 Meter runter. Und die einzige Struktur ein Surfbrett mit Schnur. Für die nächste Nacht legten wir ein zweites Brett aufs Wasser. Und so ergab es sich, dass im Laufe der folgenden Nächte bis zu 4 Männchen gleichzeitig aus unserem Pool riefen und das mit gutem Erfolg. Die Rufperiode zog sich fast den ganzen Sommer hin. Wir hatten mittlerweile auch Weidenzweige ins Wasser gelegt, um unseren neuen

    [​IMG]Fast fertig entwickelte Eier, in zwei Tagen schlüpfen die Kaulquappen.

    Gartenbewohnern etwas mehr entgegen zu kommen. Aus den zahlreichen Laichklumpen zu je 20-40 Eiern schlüpften Hunderte von Kaulquappen und viele, viele wurden zu kleinsten grünen Fröschen, die den Weg in unsere Gartenhecke schafften, ohne von den Katzen der Nachbarschaft erwischt zu werden. Wir ließen, so oft es ging, unseren Chihuahua Rüden im Garten patrouillieren, der zwar nur halb so groß wie eine Katze ist, aber mutig wie ein Löwe unsere Laubfrösche verteidigte. Und die meisten sind so den Katzen entkommen. Oft hat unser Hund zusammen mit den Fröschen gerufen. Er stellte sich vor die Hecke und bellte und sofort gab es aus dem Gebüsch eine Antwort äp äp äp. So bis zu drei vier äps pro Sekunde aus verschiedenen Kehlen.

    [​IMG]
    Lauter als der Rasenmäher des Nachbarn

    Es ist schon erstaunlich, das ein Fröschchen von 3-4 cm und so drei vier Gramm schwer lauter sein kann als der Benzinrasenmäher Ihres Nachbarn, so um die 90 Dezibel. Zu hören noch in ein/ zwei Kilometern Entfernung. Ich hab den ganzen Sommer darauf gewartet, von irgendwoher angezeigt zu werden, weil es in unserem Garten so furchtbar laut ist. Es kam nichts, aber was ist, wenn in diesem Sommer nicht nur bis zu vier Männchen um ihre Weibchen werben, sondern 40 oder mehr? Und es ist passiert. Nach zwei Jahren werden die grünen Kerle geschlechtsreif und sie rufen jetzt aus unzähligen Kehlen…

    Text: Ernst-Otto v. Drachenfels

    Fotos: Angela v. Drachenfels

    Der Beitrag Die Rückkehr der Laubfrösche erschien zuerst auf Aquanet.tv – Videos für Aquarianer.

    Weiterlesen...
     

Diese Seite empfehlen